DIE PERLE AUF EUROPA

KUGELROTH IM VOGTLAND
AM DREILÄNDERECK BAYERN - BÖHMEN - SACHSEN
 

Zentrum für Symbolik & Kunst


Öffentliche Präsentation

Dieser liegt folgende Filosofie zu Grunde: Es ist eine gesell-schaftliche Aufgabe die Menge der Abfälle zu regulieren, die Verwertbarkeit des Mülls immer wieder neu zu definieren und schließlich diesen Rohstoff zweiter Klasse zu verwerten. Der ´Architekt der Abfälle`, Künstler und Symboliker machte sich unter anderem dies zur Lebensaufgabe. In seinen Werken wur-den industrielle Kunststoff,- Gummi-, Hartschaumabfälle, Haus- und Sperrmüll, Schrott, Altkleider und -papier und sons-tiges in Bühnenbildern, Kunstinstallationen und Performances, zu plastischen Werken und Requisiten verarbeitet. Auch ent-standen zu größtmöglichen Teilen Automobile aus Abfallpro-dukten. Das derzeitig begonnene Projekt ´Haus Kugelroth` strebt den Um- und Ausbau des ehemaligen genossenschaftlich Landwirtschaftsbetriebes aus der DDR-Zeit zum Hauptgebäude des Kunst- und Symbolikzentrums an. Die Verwertung von Müll wird für den ´Architekten der Abfälle` auch hierbei von ästhetisch, wirtschaftlich und architektonisch tragender Bedeu-tung sein. « Denn, » so ein Zitat aus seiner Präambel zum Werk, « die Verwertbarkeit und die Menge der Abfälle kenn-zeichnen die Lebensgüte der Kultur. Abfälle, wie der Begriff bereits verrät, sind die ab fallenden Reste eines Hauptverfah-rens zur Gewinnung von lebensnotwendigen Gütern. Im Deut-schen wurde das Wort Müll analog für Abfall gefunden: Es be-schreibt das organische Abfallprodukt bei der Verwertung von Getreide (In der Mühle mahlt der Müller Mehl; der Rest ist so-mit Müll). Entsprechend für die Arbeit mit dem Stein (Mineral) oder mit der Erde, zudem der Müll als Abfallprodukt vom Ge-treide gehört, steht als universelle Kraft der Planet Saturn. Das Saturnische Prinzip beschreibt die stoffliche Verdichtung (bzw. Auflösung) des Geistes zur Materie. Müll ist damit, sowie er geschichtlich gesehen als Füllstoff, Dämmmaterial oder Ver-dickungsmittel, Kleie usw. verwendet wurde, ein irdischer Roh-stoff zweiter Klasse. »

Bereits im Jahre 2006 wurde dieses 2004 begonnene Kunstvorhaben des Künstlers Oliver Martin Steuer (Ravioli 6.18% - dem Architekt der Abfälle) in einer staatlich organisierten Fotoreportage ´Müll in Deutschland` in Deutschland und Brasilien vorgestellt.

In langjähriger Arbeit werden dazu, gefundene und von zahlreichen Helfern geschenkte Materialien - seien sie natürlichem oder künstlichem Ursprungs - wiederverwendet. Ziel dieser Recyclingkunst ist es das ´Haus Kugelroth` Stück für Stück wieder aufzubauen.

Presseartikel (Frankenpost) vom 11. April 2015

Skisprungmatten werden zu Reetdach


Der Künstler Oliver Martin Steuer recycelt Teile der Frankenwaldschanze. Die Plastikschnur-Matten sollen nun als Dach für eine alte LPG dienen.



Von Manfred Köhler

  1. Als Kunststoff-Reetdach recycelt der Künstler Oliver Martin Steuer (Mitte) die Plastikschnur-Bündel der ehemaligen Frankenwaldschanze Bad Steben. Bürgermeister Bert Horn (rechts) und Bauamtsleiter Hansjürgen Horn unterstützen das Vorhaben tatkräftig. Fotos: Köhler

  2. Auf dem Hauptgebäude der alten LPG Kugelreuth bei Tiefenbrunn im Dreiländereck finden die Plastikschnur-Matten der einstigen Frankenwaldschanze als Dach eine neue Funktion.

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Bad Steben - Die Aufsprungbahn der ehemaligen Frankenwaldschanze Bad Steben wird an anderer Stelle und in anderer Funktion fortbestehen: Der Künstler Oliver Martin Steuer demontiert in diesen Tagen mit Unterstützung der Gemeinde Bad Steben die blaugrünen Plastikschnur-Bündel und transportiert sie nach Kugelreuth bei Tiefenbrunn im sächsischen Vogtland, wo sie als Kunststoff-Reetdach eines ehemaligen LPG-Gebäudes dienen werden. Über den rein praktischen Nutzen hinaus steht die Aktion im Mittelpunkt eines künstlerisch-technischen Großunternehmens mit dem Titel "Die Perle auf Europa".

Der gebürtige Rehauer Oliver Martin Steuer, Jahrgang 1972, ist in Hochfranken und darüber hinaus durch ebenso ungewöhnliche wie aufwendige Projekte bekannt, so etwa durch das Wohnmuseum "Arbeiterschauhaus" im Hofer Vertl, das die Geschichte der Fabrikvorstadt dokumentiert. Auch sein gegenwärtiger Wirkungs-Schwerpunkt in Kugelreuth im Dreiländereck Bayern-Böhmen-Sachsen hat einen historischen Aspekt: Die Gebäude der dortigen alten LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft) dokumentieren für ihn einen Teil der DDR-Geschichte, und mit der gegenwärtigen Umnutzung soll an die einstige Funktion erinnert werden.

Neben dem Recycling-Projekt "Haus Kugelroth" im ehemaligen LPG-Hauptgebäude, an dem die Bad Stebener Schanzen-Relikte verbaut werden, plant Oliver Martin Steuer daher Erinnerungsstätten für die Geschichte der LPG wie auch der ehemaligen Grenzanlagen und darüber hinaus ein Atelier, einen Gemeinschaftsraum, Wohn- und Arbeitsräume, Gartenanlagen und Veranstaltungsorte für Lesungen, Seminare und Diskussionen. Übergeordnete Vision ist die Gründung eines "Kugelrother Bürgerkreises", einer Arbeitsgemeinschaft von Literaten, Künstlern, Spirituellen, Gärtnern, Handwerkern und Sportlern.

Obwohl Steuer als Dach für das LPG-Gebäude nur rund die Hälfte der etwa 900 Quadratmeter Aufsprungfläche der Schanze benötigt, wird er die Plastikschnur-Bündel komplett mitnehmen - als Vorrat für zukünftige Projekte. Auch der Unterbau aus erstaunlich gut erhaltenen Styropor-Platten wird nach Kugelreuth transportiert, wo er als Dämmmaterial neue Verwendung findet. Am einstigen Kampfrichter-Turm hat der Künstler inzwischen ebenfalls Interesse bekundet.

Nach der Sprengung von Sprungturm und Anlaufkonstruktion im März dieses Jahres und den jetzigen Abrissarbeiten wird von der Frankenwaldschanze kaum mehr übrig sein als der Begrenzungszaun und die Schutzhütte des einstigen Wintersportvereins Bad Steben. Schon jetzt hat die Natur einen Teil des Geländes zurückerobert, und es ist kaum noch vorstellbar, dass hier einmal Skisprung-Veranstaltungen mit bis zu 1000 Besuchern stattfanden.

In seiner Jugend hat Bürgermeister Bert Horn die großen Tage der Schanze ebenso miterlebt wie später den Niedergang. Die Installation der Kunststoff-Matten für Sommerskispringen sei bereits aus der Not heraus erfolgt, weil es in den Wintern immer weniger Schnee gegeben habe, erinnert er sich. Die Umnutzung sei mit großem Aufwand verbunden gewesen. So habe man, um die Matten durch Bewässerung rutschfähig für die Skispringer zu machen, eigens ein Reservoir am nahen Bach angelegt und das Wasser von dort an den höchsten Punkt der Aufsprungfläche gepumpt. Die Schläuche, mit denen die Matten bewässert wurden, sind heute noch am Rand der Bahn zu sehen. Der anfängliche Erfolg der Sommerskispringen war aber nur von kurzer Dauer.

Über das Recycling-Projekt sind Bürgermeister Bert Horn und Bauamtsleiter Hansjürgen Horn froh: "Es ist nicht so, dass uns der Rückbau dadurch nichts kostet, denn wir stellen eine Arbeitskraft vor Ort und den Lkw für den Transport zur Verfügung." Doch statt der Entsorgung der Plastik-Schnüre auf einer Deponie komme es nun zu einer sinnvollen Nutzung. Wie es nach dem Abtransport der Matten weitergeht? "Langfristig werden auch alle anderen Überreste komplett abgebaut."

Langfristig wird alles komplett abgebaut.

Bert Horn, Bürgermeister

 

Die Frankenwaldschanze bei Carlsgrün/Bad Steben


Bilder (Ostern 2015) vom Rückbau der grünen Polyehtylen- und weissen Schaumstoffmatten, die als Aufsprungabgleithilfe bzw. als Dämpfung zwanzig Jahre lang als Unterlage zum Skisom-merspringen gedient haben. Zurück bleibt nur die marode Holz-schalung auf den in der Erde verankerten Balken.

Bei den Arbeiten stellte der Markt Bad Steben eine Hilfskraft und das Werkzeug. Auch freiwillige Helfer beteiligten sich an der Vor-bereitung für diese Kunstaktion der FreieUni.De (im Bild rechts: Hamudi Khalife).


Die Recyclematerialien wurden anschliessend zum Haus Kugelroth transportiert.


Quelle: Bildmaterialien der FreieUni.De


Bild unten: Wiederverwertung der Matten als Reetdachfläche des Haus Kugelrothes; rechts ab Mitte des Gebäudes (ca. 400 m  )

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Der Künstler, Läufer und Autor

Neben seinen künstlerischen Großprojekten betätigt sich Oliver Martin Steuer als freier Schriftsteller mit eigenem Verlag - und als Langstreckenläufer. So legte er vergangenen Herbst die knapp 1000 Kilometer weite Strecke von Narvik in Norwegen nach Murmansk in Russland zu Fuß zurück, in der Einsamkeit des Nordens streckenweise nur von Hirten und ihren Herden begleitet. Aus den Erfahrungen seiner Langstreckenläufe entstehen dann seine Bücher, zuletzt "Das Ukrainehaus", erschienen im März 2015. Informationen über Oliver Martin Steuer und seine Projekte finden sich im Internet unter www.freieuni.de.

Rechtes Bild: Als Kunststoff-Reetdach recycelt der Künstler Oliver Martin Steuer (Mitte) die Plastikschnur-Matten der ehemaligen Frankenwaldschanze Bad Steben. Bürgermeister Bert Horn (rechts) und Bauamtsleiter Hansjürgen Horn unterstützen das Vorhaben tatkräftig

Ende Presseartikel

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Bild oben links: Freiwilliger Helfer Rene Wollbrecht und der ´Menz` vom Bauhof der Gemeinde Bad Steben

Sonstige Bilder: Hr. Steuer und Holger von der  Gemeinde Bad Steben bei den Rückbauarbeiten.

Bild links: Der Transport der Matten von der Frankenwaldschanze zum Haus Kugelroth ist vollbracht.

Künstler lässt Fantasie freien Lauf

Nach dem Ukraine-Haus (B 92) hat Oliver Martin Steuer ein
neues Projekt im Auge - in Kugelreuth, wo er seit elf Jahren lebt.

Von Ronny Hager
erschienen am 14.07.2015 in FreiePresse

Kugelreuth. "Mein Leben wird nicht ausreichen für meine Ideen", sagt der Maler, Autor, Läufer, Lebenskünstler Oliver Martin Steuer, Jahrgang 1972, über sich selbst. Seit elf Jahren lebt der Rehauer in Kugelreuth, im alten LPG-Gebäude, und genau hier ist auch das neue Projekt des Schöpfers des Ukraine-Hauses an der B 92 angesiedelt. Ein Projekt, bei dem Eichigts Gemeinderäte jetzt die Ohren spitzten: "Haus Kugelroth - eine Perle auf Europa".

Ein Ort der Begegnung und Erinnerung schwebt Steuer vor, eine Art Dorf im Kleinen, das sowohl das nahe Dreiländereck stärker in den Mittelpunkt rückt, das auf landwirtschaftliche Traditionen verweist, das eine Literaturbühne für die eine oder andere Veranstaltung sein soll. Kein Museum, davon gibt's anderswo welche, sondern ein Ort, an dem die Menschen zusammenkommen, Touristen, Wanderer, Einheimische. Die Kultivierung von Pflanzen sowie Obstbäumen betreibt Steuer bereits, der nach eigener Aussage "zehn Jahre im Verborgenen" am Projekt gebastelt hat. Dies hatte bereits für Aufsehen gesorgt, seit Steuer den ehemaligen Mattenbelag der Frankenwaldschanze bei Bad Steben als Dacheindeckung für Haus Kugelroth recyceln lässt. Er wolle einen Gegenpol setzen zu den im Zuge des DDR-Grenzausbaus verschwundenen Siedlungen Hammerleithen, Oberwieden und Gräben im Thale.

Das Wortspiel Kugelroth ließ Gemeinderat Ronny Penzel (CDU), der Steuer von seinem Gastspiel als Fußballer beim SV Eintracht Eichigt bekannt ist, skeptisch werden. Er sei dagegen, dass alte Bezeichnungen verschwinden, so Penzel. Das wolle auch er auf keinen Fall, beteuerte Steuer. Haus Kugelroth soll nur die alte LPG, nicht der ganze Ort heißen. Er nutzt Fantasie, indes arbeitet er ohne öffentliche Gelder und auf seinem privaten Besitz. "Ich will niemanden auf den Schlips treten, ich will nicht vorhandene Strukturen kleinreden", sagt der Künstler, der im Frühjahr ein Buch über sein offenes Kunsthaus an der B 92 veröffentlichte. Dass es skeptische Blicke gibt, ist Steuer gewöhnt. "Ich bin ziemlich zäh", sprach er, "elf Jahre durch ein Martyrium" gegangen zu sein.

An Nachbar und CDU-Gemeinderat Matthias Juhl liegt das jedenfalls nicht, beteuert der Abgeordnete. "Wir haben noch nie Clinch gehabt. Ich bin für alles offen, was zum Werterhalt beiträgt. Die Idee kann ich nur begrüßen." Geteilte Meinungen gab es indes zu Steuers Vorstoß, neue Wege Richtung Dreiländereck anzulegen. Die seien durchaus vorhanden, es müssten dafür nicht bestehende Strukturen verändert werden. Von der Gemeinde Eichigt erhofft sich Oliver Martin Steuer die Wahrnehmung seines Projekts, da er es als Gewinn für die Gemeinde sieht - daher freute ihn auch die Gelegenheit, es öffentlich zur Ratssitzung vorzustellen. Bürgermeister Christoph Stölzel (parteilos) bezeichnete die Idee als "harmlose Sache, ich kann nichts dagegen haben. Es ist eine Bereicherung im Dorf."

 

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Oliver Martin Steuer - Künstler

Foto: Helmut Schneider/Archiv

Zum Online-Artikel: hier

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Literaturbühne Kugelroth: Das Reetdach ist endlich fertig! Vielen Dank an die vielen freiwilligen Helfer: Rainer, Erwin, Markus, Lars, Uwe, Siad, Samir, Motaz, Mohamed, Ahmed, Bassam, Nikolai, wenn ich jemand vergessen habe - bitte mitteilen! Interessanterweise halfen Menschen unterschiedlichster Herkunft: aus´m Dorf, aus´m Nachbardorf, usw..., also Deutschland, dann aus der Ukraine, Dubai, Syrien, Kurdistan und dem Irak. Aus Sicht der Religionen: evangelische, katholische, orthodoxe Christen, Drusen, schiitische, sunnitische und alawitische Muslime, Konfessionslose. Oder vom Beruf her: Pensionär, Landwirt, Handelsvertreter, Elektriker, Arbeitsloser, Schäfer, Bauunternehmer, Studenten, Kunstmaler. Rege Vielfalt, die sich da am Dreiländereck kreativ und vor allem unentgeltlich versammelt und austobt. Vielen, vielen Dank für dieses Geschenk!!!

Wünsche Euch allen ein gutes, mutiges, gesundes und rundes Neue Jahr 2017!

200 qm Dacheindeckung samt Isolation aus den Skisprungmatten und den Dämpfplatten der Wintersportanlage in Carlsgrün.

Gesamtkosten für die Baumassnahme: in etwa 700,- € für neue Dachlatten, 2 Päckchen Leichtbaunägel, 1 Päckchen Holzschrauben, etwas Klebeband für´s Dach  und für einen Akkuschrauber mit Bit´s.

Arbeitsleistung: Haben wir nicht gezählt, nur gefühlt: ganz schön intensiv!

Und das Endergebnis, welches am Dreiländereck in Kugelreuth nun zu sehen ist: